Berlin/Saarbrücken, 13.10.2026. Der Europaverband der Selbständigen – Deutschland (ESD) e.V. sieht im Beschluss des CDU-Präsidiums vom 12. Oktober wichtige wirtschaftspolitische Signale. Besonders beim Bürokratieabbau enthält das Papier konkrete Ansätze, die aus Sicht von Selbständigen und kleinen Betrieben in die richtige Richtung weisen. Bei der tatsächlichen Belastung von Selbständigen bleibt der Beschluss dagegen zu allgemein.
Besonders positiv bewertet der ESD die angekündigte Beweislastumkehr bei Berichtspflichten. Künftig soll der Staat jede Berichtspflicht der Wirtschaft ausdrücklich neu begründen müssen, andernfalls soll sie entfallen. Auch die Rückführung deutscher Verschärfungen europäischer Vorgaben („Gold-Plating“) auf das europäische Mindestmaß sowie der Grundsatz „Vertrauen statt Kontrollen“ gehen aus Sicht des Verbandes in die richtige Richtung.
Der ESD begrüßt zudem die angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle und das Ziel, neue finanzielle Spielräume zur Entlastung bei Steuern und Sozialbeiträgen zu nutzen. Gerade bei der steuerlichen Entlastung bleibt der Beschluss aus Sicht des Verbandes jedoch unkonkret.
„Das Papier sagt nichts dazu, wie Einzelunternehmen und Personengesellschaften steuerlich entlastet werden sollen. Wir sprechen immerhin von 70 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, für die die Einkommensteuer die relevante Unternehmenssteuer ist. Eine echte Mittelstandsentlastung muss genau dort ansetzen“, so Lehberger.
Offen bleiben zudem zentrale Fragen für Selbständige und ihre Betriebe. Zur künftigen Altersvorsorge Selbständiger, zu ihrer Belastung durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und zu den Sozialversicherungskosten für ihre Beschäftigten enthält der Beschluss keine konkreten Aussagen.
Lehberger: „Die CDU schreibt, wer unternehmerisches Risiko eingeht, solle gute Bedingungen und keine Hürden vorfinden. An diesem Anspruch wird sie sich messen lassen müssen. Millionen Selbständige und kleine Betriebe brauchen keine weiteren allgemeinen Bekenntnisse, sondern konkrete Antworten auf ihre tatsächlichen Belastungen.“
Entscheidend wird nun sein, welche Punkte aus dem CDU-Beschluss Eingang in die Regierungspolitik finden. Dort trägt auch der Koalitionspartner SPD Verantwortung. Sie muss sich den Selbständigen und kleinen Unternehmen ebenso entschlossen zuwenden. Nur mit einer prosperierenden Wirtschaft lässt sich der Sozialstaat in diesem Umfang weiter finanzieren.
Der Beschluss des CDU-Präsidiums:
https://www.cdu.de/app/uploads/2026/10/CDU-Praesidium_Oktober-2026.pdf
Der ESD fordert daher:
- Beweislastumkehr beim Bürokratieabbau verbindlich umsetzen. Bestehende Berichtspflichten müssen systematisch überprüft werden. Was nicht nachweislich notwendig und verhältnismäßig ist, muss entfallen.
- Einzelunternehmen und Personengesellschaften steuerlich entlasten. Für sie ist die Einkommensteuer die relevante Unternehmenssteuer. Wer den Mittelstand entlasten will, muss deshalb dort ansetzen.
- Einen verbindlichen KMU- und Selbständigencheck für neue Regelungen einführen. Jede neue gesetzliche Belastung muss vorab darauf geprüft werden, welche Kosten und welcher Zeitaufwand für Soloselbständige sowie Kleinst- und Kleinunternehmen entstehen.
- Selbständigenverbände verbindlich an den Abbauprozessen beteiligen. Der Beschluss sieht die Beteiligung von Wirtschaftsverbänden beim Abbau von Regulierungsvorschriften vor. Dabei müssen auch die Verbände der Selbständigen und Kleinstunternehmen ausdrücklich einbezogen werden.